25 Jahre Solidaritätswanderung der KAB im Bezirk Esslingen


„Es gibt viele wichtige und notwendige Spendenaktionen für Katastrophen und Not in aller Welt, aber wer tut etwas für die sozial benachteiligten Personengruppen in unserer direkten Nachbarschaft?“ Diese Frage stellte 1993 Siegfried Reinhard, einer der KAB-Gruppenvorsitzenden auf der Jahressitzung der Gruppenvorstände im Bezirk Esslingen.
Sein Vorschlag: Wir organisieren jährlich eine Solidaritätswanderung, zu der alle KAB-Gruppen im Bezirk Esslingen eingeladen werden. Wir verkaufen Wanderbuttons und bieten ein preiswertes Mittagessen mit anschließendem Ausklang bei Kaffee und Hefezopf an. Der Reinerlös dieses Wandertages geht an die „sozialen Randgruppen der Gesellschaft im Kreis Esslingen“.
Die Begeisterung für diesen Vorschlag hielt sich in Grenzen, denn allen war sofort klar, dass bedeutet viel Arbeit. Trotzdem wurde ein Arbeitskreis gegründet, der die Vorbereitungen organisierte. Genehmigungen bei den Behörden waren einzuholen. Ein Sanitäter-Bereitschaftsdienst, eine größere Zahl von Helfer wie amtlich angeordnete Streckenordner, Vor-/ Nachbereitungspersonal und Küchenpersonal musste am Tag X bereitstehen. Vieles wollte bedacht und organisiert sein. Alle KAB-Gruppen im Bezirk Esslingen mussten sich irgendwie an der Organisation, der Vorbereitung und der Durchführung beteiligen. Das war eine echte Herausforderung, denn alle Organisatoren und Helfer waren ja nebenbei auch noch berufstätig. In einer EXCEL-Liste wurde jeder Schritt dokumentiert, um noch unerledigte Aufgaben zu erkennen und vor allem für die Zukunft gerüstet zu sein. Wir wollten das Rad ja nicht jedes Jahr neu erfinden müssen.
Am 26.03.1994 war es dann endlich soweit. Mehr als 250 Mitglieder der KAB aus dem Bezirk Esslingen besuchten den Start-Gottesdienst in Baltmannsweiler, kauften einen Wanderbutton für 5 DM und gingen anschließend auf einen der ausgeschilderten Wanderwege von 1, 5, oder 10 Km und hinterher in den Gemeindesaal zum Mittagessen und Nachmittagskaffee.
Dabei waren auch Mitglieder der Heimstatt Esslingen e.V. und des Frauenhauses Esslingen. So kam es dann auch zu interessanten Gesprächen zwischen den Betroffenen und den KAB-Wanderern.
Der Reinerlös dieses ersten Solidaritäts-Wandertages waren 8.050 DM, der dann je zur Hälfte an diese beiden Gruppen verteilt wurden. Das Geld wurde dort auch dringend gebraucht.
Eigentlich sollte die Solidarität-Wanderung immer in der Fastenzeit vor Ostern stattfinden und jährlich seinen Standort wechseln. Widrige Wetterverhältnisse mit Eis, Schnee und Terminkonflikte ließen den Termin immer weiter nach hinten rutschen. Bei näherer Betrachtung der Infrastruktur stellte sich heraus, dass Baltmannsweiler eigentlich alles bot, was gebraucht wurde. Parkmöglichkeiten ohne Ende, ausreichende Kapazität der Gemeindesäle, vielfältige Wanderwege und ein engagiertes eingespieltes Küchenteam aus den Gruppen Esslingen Zollberg und Baltmannsweiler/Aichwald. So blieb es dann bei Baltmannsweiler.
Das Alter fordert seinen Tribut. Bei Wanderern und aktiven Helfer führen Erosionsprozesse zunehmend zu Ausfällen und Nachwuchs ist nicht in Sicht. 2018 gab es noch 95 Wanderer, die einen Erlös von 1200,- € auf die Beine stellten. Das ist immer noch ein beachtliches Ergebnis, trotzdem kam die Entscheidung, dass 2019 die 25. und letzte Solidaritäts-Wanderung des KAB-Bezirks Esslingen stattfindet. Sie wurde am 12.Mai 2019 durchgeführt. Insgesamt haben wir in den 25 Jahren ca. 35 000 € erwirtschaftet und 1:1 an die beiden Organisationen als Spende weitergeleitet. Über die Höhe des Reinerlöses aus diesem Jahr berichten wir, wenn alles abgerechnet ist.
Am Ende stellt sich für die Zukunft die Frage vom Anfang:
„Es gibt viele wichtige und notwendige Spendenaktionen für Katastrophen und Not in aller Welt, aber wer tut etwas für die sozial benachteiligten Personengruppen in unserer direkten Nachbarschaft?“

Ihre KAB in Baltmannsweiler/Aichwald
Bernhard Peitz