Gemeindegeschichte

Die ältesten Siedlungen des Schurwaldes, die “Weiler-Orte” sind wohl im 8. Und 9. Jh. entstanden. Bei allen anderen Niederlassungen lässt sich die Entstehungszeit nicht genauer bestimmen, dürfte aber in der Mehrzahl der Fälle in das 12. und 13. Jh. fallen. Erstmals urkundlich erwähnt werden Baltmannsweiler 1299, Hohengehren 1275, Schanbach 1262, Aichelberg 1373, Aichschieß 1248, Krummhardt 1399 und Lobenrot 1452. Die spätgotischen Kirchen dieser Orte sind heute noch bauliche Zeugnisse der starken religiösen Bindung der vorreformatorischen Generationen.

Die Zugehörigkeit zu Württemberg führte dazu, dass auch in den Schurwaldgemeinden zwischen 1530 und 1540 die Reformation eingeführt wurde. Katholisches kirchliches Leben hörte danach über 400 Jahre auf. Noch um das Jahr 1939 besuchten die wenigen Katholiken des Schurwaldes die Gottesdienste in Esslingen und Plochingen.

Nach dem 2. Weltkrieg kamen in den Jahren 1945/46 viele Katholiken aus den deutschen Ostgebieten, aus Böhmen und Mähren, den Sudetenländern, aus Ungarn, Jugoslawien und Rumänien in die verschiedenen Orte des Schurwaldes. Baltmannsweiler und Hohengehren wurden von Plochingen, später von Reichenbach aus betreut, Aichschieß und Schanbach von Oberesslingen und Aichelberg von Grunbach im Remstal. Sonntagsgottesdienste wurden gehalten in der evang. Kirche in Baltmannsweiler und in der evang. Kirche in Schanbach bzw. Aichschieß.

Pfarrer Miller von Reichenbach, dem 1946 mit der Kuratie Reichenbach auch die Seelsorge für Baltmannsweiler und Hohengehren übertragen war, wirkte seit 1534 wieder als erster kath. Geistlicher in diesem Gebiet. Seinen Aufzeichnungen entnehmen wir für das Jahr 1946 die Katholikenzahlen: 220 in Baltmannsweiler, 150 in Hohengehren. Am 11.11.1950 vermerkt Pfarrer Miller in seinen Tagebuchaufzeichnungen die Verkündigung des Dogmas von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. 1951 übernimmt Kurat Georg Bujakowsky die Seelsorgestelle Reichenbach, 1956 Pfarrer Erwin Baumeister.

Der Wunsch nach einer eigenen kath. Kirche ging für die Katholiken in Baltmannsweiler bereits 1952 in Erfüllung. Unter tatkräftiger Mithilfe der Gemeindemitglieder wurde in der Schurwaldsiedlung am 6. Mai 1951 mit dem ersten Spatenstich eine kleine Maria-Himmelsfahrt-Kirche mit 100 Sitzplätzen erbaut. Am 4. Advent 1952 fand darin der erste Gottesdienst statt. Die Weihe dieser Notkirche wurde von Generalvikar Hagen 1953 vollzogen unter Beteiligung von Pfarrer Ackermann aus Plochingen und den Pfarrern Bujakowski und Baumeister aus Reichenbach. Am 27. Mai 1958 errichtete der Bischof von Rottenburg in Baltmannsweiler eine eigene Seelsorgestelle mit den Orten Baltmannsweiler, Hohengehren, Aichschieß mit Krummhardt, Schanbach mit Lobenrot und Aichelberg. Vikar Hertrich von Plochingen wird erster Kurat. Damals zählte die Kirchengemeinde 1050 Katholiken.

Am 12. Januar 1962 wurde der bisherige Vikar in Unterensingen, Elmar Hölzle, zum neuen Kurat ernannt. Inzwischen hatte sich gezeigt, dass die Notkirche zu klein geworden war, so dass schon bald an einen Neubau gedacht werden musste. Die rasch anwachsende Zahl der Katholiken verlangte einen Kirchenneubau in Baltmannsweiler. Deshalb wurde im Jahr 1962 das Architektenbüro Reuter in Wernau mit der Planung einer neuen Kirche in Baltmannsweiler auf dem Platz gegenüber der alten Kirche beauftragt. Im Herbst 1963 war Baubeginn, am 13. Juni wurde von Dekan Kübler aus Wernau der Grundstein gelegt und am 20. Juni 1965 konnte die neue Maria-Himmelfahrt-Kirche durch Weihbischof Wilhelm Sedelmaier feierlich eingeweiht werden. Am 15. Mai 1964 erhob der Bischof von Rottenburg, Carl Josef Leiprecht, die bisherige Seelsorgestelle Baltmannsweiler zur selbstständigen Pfarrverweserei und mit der Kirchweihe in Baltmannsweiler zur selbständigen Pfarrei mit dem Titel “Mariä Himmelfahrt”. Erster Pfarrer wurde der bisherige Pfarrverweser Elmar Hölzle, seine Investitur wurde am 24. Oktober 1965 gefeiert.

1965 wurden die neuen Glocken für den Kirchturm aus der Gießerei Gebhard in Kempten geliefert. Die schwerste Glocke mit 24 Zentnern, die sog. Osterglocke zum Gedenken an die Gefallenen und Toten, stiftete das Rathaus Baltmannsweiler. Die Bonifatiusglocke mit 15 Zentnern war eine Stiftung der Fam. Riebl und Osswald, die Barbaraglocke mit 10 Zentnern kam aus der Gemeinde Hohengehren, die Marienglocke mit 5 Zentnern wurde von der Diözese gegeben.

Die Kirchengemeinde, inzwischen auf 1368 Katholiken angewachsen benötigte nun auch in den westlich gelegenen Dörfern der Pfarrei eine eigene Kirche. Bereits im Jahr 1964 war die Planung einer neuen Kirche in Aichschieß auf den Weg gebracht. Am Josefstag, dem 19. März 1965, wurde mit dem Bau begonnen, am 19. Februar 1966 weihte Bischof Carl Josef Leiprecht die Kirche auf den Namen des Hl. Bonifatius. Auch diese zweite Kirche war unter finanzieller Unterstützung des Bonifatiuswerkes möglich geworden. Der Glockenturm in Aichschieß wurde erst am 16. Februar 1975 von Dekan Karl Mühleck und das Gemeindezentrum am 05.09.1979 eingeweiht.

Im Frühjahr 1967 wurde mit dem Abriss des alten Maria-Himmelfahrt-Kirchleins in Baltmannsweiler und an dessen Stelle mit dem Bau eines Pfarrhauses begonnen. Ostern 1968 konnte der Pfarrer in das neue Haus einziehen. In ca. 7.000 freiwilligen Arbeitsstunden hatten 87 Frauen und Männer das Haus erbaut. Außer Fenster, Türen und Heizung wurden alle Arbeiten von freiwilligen Arbeitskräften ausgeführt.

Die Katholikenzahl stieg in diesen Jahren stetig an. Waren es 1968 noch 1720 Personen gewesen, lag die Anzahl der Pfarreizugehörigen ein Jahr später bereits bei 1841. Das Gemeindeleben blühte auf durch die Gründung der KAB 1965, des Kirchenchores 1968. 1966 feierte die Pfarrei die Primiz von Pater Hans Rehmet, 1971 die Primiz von Johannes Neumann.

Bereits im Jahr 1964 hatte die Kirchengemeinde in Aichelberg ein Grundstück für einen späteren Kirchenbau erworben. 1971 beschloss der Pfarrgemeinderat, für die Katholiken in Aichelberg, die bisher mit einem Omnibus nach Aichschieß fuhren, auf dem genannten Platz eine Kirche mit Gemeindesaal zu erstellen. Im Sommer 1972 wurde nach den Plänen von Architekt Andres Derer aus Esslingen mit dem Bau begonnen. Am 23. September 1973 konnte Weihbischof Anton Herre die neue St. Martinskirche einweihen, die mit zwei Glocken (Ave Maria-Glocke, St. Martins-Glocke “laborem non recuso”) ausgestattet werden konnte.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Dörfer auf dem westlichen Schurwald noch eigenständig gewesen. Durch die Gemeindereform 1974 schlossen sie sich zur Gemeinde Aichwald zusammen. Die Katholische Kirchengemeinde umfasste im Jahr 1978 eine Mitgliederzahl von 2.850, 1980 waren es dann 3.196. Die Kirche in Baltmannsweiler erhielt 1987 eine neue Orgel, Aichschieß 1992, Aichelberg 1998.

Mit dem Tod von Pfarrer Elmar Hölzle im Mai 2000 und mit seiner 38jährigen unermüdlichen Aufbauarbeit endete die Gründungszeit der Kirchengemeinde Baltmannsweiler und Aichwald. Pfarrer Adolf Schuhmacher führte ab 2001 die Pfarrei weiter. Inzwischen war die Kirchengemeinde auf dem Gebiet der beiden bürgerlichen Gemeinden Baltmannsweiler und Aichwald eigenständige Seelsorgeeinheit geworden.